Kann Musik die Natur heilen? Der Berliner Medienkünstler Marco Barotti zeigt mit seinem außergewöhnlichen Projekt Coral Sonic Resilience, dass Kunst weit mehr sein kann als Inspiration – sie kann einen aktiven Beitrag zum Schutz unserer Umwelt leisten.
Korallenriffe gehören zu den wertvollsten Lebensräumen der Erde. Sie bieten unzähligen Meeresbewohnern Schutz und Nahrung und bilden das Herz der marinen Artenvielfalt. Doch steigende Meerestemperaturen, Umweltverschmutzung und Überfischung setzen den empfindlichen Ökosystemen weltweit massiv zu. Wo einst das lebendige Knistern gesunder Korallenriffe zu hören war, herrscht vielerorts heute bedrückende Stille.

Genau hier setzt Marco Barotti an. Mit einer faszinierenden Verbindung aus Kunst, Wissenschaft und nachhaltiger Technologie entwickelt er Klangskulpturen, die gesunde Unterwasser-Soundlandschaften nachbilden. Die eigens entworfenen Skulpturen bestehen aus Keramik und Kalziumkarbonat – Materialien, die der natürlichen Zusammensetzung von Korallen entsprechen und als neuer Lebensraum für Korallenlarven und andere Meeresorganismen dienen können.
Angetrieben werden die Installationen vollständig durch eine schwimmende Solaranlage. Unter Wasser erzeugen sie die charakteristischen Geräusche intakter Korallenriffe – vom Knacken kleiner Garnelen bis zu den Lauten zahlreicher Fischarten. Diese natürlichen Klangkulissen sollen Fische und Korallenlarven gezielt anlocken und so die Wiederbesiedlung geschädigter Riffe fördern.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur sogenannten Acoustic Enrichment, darunter die Forschungen des Meeresbiologen Dr. Timothy Lamont von der Lancaster University, bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für das Projekt. Initiiert und geleitet wird Coral Sonic Resilience von Marco Barotti, der gemeinsam mit einem von ihm zusammengestellten interdisziplinären wissenschaftlichen Team den künstlerischen und technologischen Ansatz des Projekts kontinuierlich weiterentwickelt. Die wissenschaftliche Leitung übernimmt der Meeresbiologe Antonio Beggiato, der die Entwicklung und Durchführung der Forschungsarbeit fachlich begleitet und gemeinsam mit Barotti und dem Team die wissenschaftliche Grundlage des Projekts weiter stärkt.
Erste Prototypen wurden bereits vor den Malediven getestet. In weiteren Forschungsphasen vergleichen Wissenschaftler verschiedene Testgebiete – mit und ohne akustische Unterstützung – und untersuchen dabei unter anderem die Rückkehr von Fischpopulationen, das Wachstum neuer Korallen sowie die Entwicklung des gesamten Ökosystems.

Doch Coral Sonic Resilience ist weit mehr als ein Forschungsprojekt. Die eindrucksvollen Klangskulpturen werden gleichzeitig Teil einer immersiven Kunstinstallation, die Besucher weltweit für die Schönheit und Verletzlichkeit unserer Ozeane sensibilisieren soll. Moderne Medienkunst wird hier zu einem emotionalen Erlebnis, das zeigt, wie eng Kreativität, Innovation und Naturschutz miteinander verbunden sein können.

Marco Barotti gelingt damit ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Kunst nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern konkrete Impulse für eine nachhaltigere Zukunft setzt – leise, poetisch und voller Hoffnung.
© Marco Barotti
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